Zeit zum schreiben finden

Ich würde ja gerne schreiben, aber ich finde keine Zeit dazu. Diesen Satz hat jeder von uns schon einmal gehört, oder selbst gesagt. Schreiben scheint manchmal wie eine schier unüberwindbare Hürde. Ich frage mich manchmal wirklich, wie viele gute Buchideen auf dem Rechner langsam vor sich hin verwesen, weil der Autor den Kampf gegen die eigene Motivation verloren hat? Ziemlich viele wahrscheinlich. Aber was kann man dagegen machen?



1. Plane, worauf du dich konzentrieren willst, bevor du dich hinsetzt. Lege ganz klar fest, welches Projekt jetzt ansteht oder welche Phase des Schreibens. Lektorierst du? Korrigierst du? Schreibst du? Plottest du? All diese Dinge erfordern eine unterschiedliche Herangehensweise, vermixe sie nicht. Plotte, mache 5 Minuten Pause und schreibe danach, vollkommen in Ordnung. Springe aber nicht zwischen den verschiedenen Phasen hin und her. Verschwende ebenfalls keine Zeit, um zu suchen, was du tun willst, dann ist die Verlockung aufzugeben zu einfach. Habe, bevor du den PC anmachst, ein Ziel vor Augen. Dieses Ziel kann ganz einfach sein:


  1. Fünf Normseiten bei Projekt X schreiben.

  2. Ein Kapitel korrigieren in Projekt Z.

  3. Drei Charakter Steckbriefe ausfüllen für Projekt X.

  4. (...)


2. Routinen Dein Gehirn kann sich ganze Bücher ausdenken, Welten erschaffen und zwischen diesen nicht realen Welten hin und her wandern. Es kann dir aber auch ein Signal senden, dass es Zeit ist zu schreiben, denn worin wir Menschen gut sind, ist Muster zu erkennen. Meine Routine ist am Anfang recht einfach gestrickt gewesen. Zwei Dinge, die für mich das Schreiben einläuten. Ich mache mir einen Kakao (wahlweise gerne Kaffee, Tee oder Co.) und ich ändere meinen Desktop Hintergrund zu einem neuen, schlichten, auf dem ein einziger Satz steht. Write your story. Es sind so einfache Methoden, die ich aber jedes Mal getan habe, wenn ich angefangen habe zu schreiben und ich habe mir befohlen, den Hintergrund erst wieder zurückzuändern, wenn ich fertig bin. Mittlerweile schalte ich den Hintergrund ein und bin sofort im Schreibmodus, samt Kakao ist das eine gute Abwechslung, eine Routine, die ich gelernt habe und die mir Inspiration bringt. Andere Routine- Ideen wären wie folgt:


  1. Das Handy bewusst in einen Küchenschrank legen und den Wlan Router ausschalten.

  2. Zwei Pins auf Pinterest anpinnen, um in Stimmung zu kommen und ein Getränk holen.

  3. Salzstangen holen und erst aufhören zu schreiben, wenn sie leergefuttert sind.

  4. Die letzten 5 geschriebenen Seiten lesen und dann sofort weiter machen.

  5. Oder Kakao trinken, dass ist das beste Rezept :)



3. Zeit zum Schreiben finden Ich habe einen Hauptberuf, einen sehr zeitaufwendigen sogar, der viel von mir fordert. Oftmals komme ich erst um 20 oder 21 Uhr nach Hause und falle dann Tod auf die Couch. Deswegen habe ich mich entschieden, meine Schreibphasen auf eine frühere Zeit zu versetzen, eine Zeit, in der ich noch nicht abgebrannt bin vom Tag. Manche von euch werden aber lieber Nachteulen sein, die in der Dunkelheit schneller schreiben können und das ist vollkommen in Ordnung. Wichtig ist nur, dass ihr wisst, wie ihr am besten klarkommt. Am besten probiert ihr das aus. Testet euch selbst und findet eure optimale Zeit. Was habe ich getan? Ich habe ein Stück meines Komforts aufgegeben, um zu schreiben. Man hat immer Zeit zum Schreiben, nur zumeist will man keine Stunden aufgeben dafür. Bei mir war es Schlaf, bei anderen ist es der abendliche Serienmarathon oder das lange Bad. Es gibt kaum Menschen, die 24 Stunden am Tag ausgelastet sind, glaubt mir, auch wenn es sich manchmal so anfühlt ... da ist immer eine halbe Stunde oder Stunde Zeit zur Verfügung.


4. Inspiration Wer professionell schreiben will, kann nicht immer auf die Inspiration warten. Das ist eine harte Wahrheit und hat ein wenig mit dem Autorenbusiness zu tun. Wer mehrere Jahre nicht veröffentlicht, der fällt vom Antlitz seiner Leserschaft und muss jede Veröffentlichung praktisch neu starten. Wer privat für sich schreibt, kann gerne auf seine Inspirationsschübe warten. Obwohl ich schlicht weg der Ansicht bin, dass die Worte „ich habe keine Inspiration“ auch eine Ausrede sind, denn wenn man will, ist man als Autor recht schnell inspiriert (außer man steckt gerade in einer regelrechten Blockade fest). Aber Inspiration ist kein mythisches Wesen, das nur alle paar Tage vom Himmel geflogen kommt, um alle Autoren kollektiv zum Schreiben zu bringen. Man kann Inspiration auch künstlich herbeirufen. Deswegen die Routinen, die feste Schreibzeit - wenn man es schafft, einige Tage diese beizubehalten, lernt das Gehirn mit. „Aha, es ist Schreibzeit“, wird es sich denken und spätestens nach den ersten zwei Sätzen beginnt es von ganz alleine mit Ideen, Inspiration und Co. Immerhin weiß dein Gehirn, jetzt muss geschrieben werden.



5. Selbstdisziplin ist das A und O Keiner kann dein Buch schreiben außer dir, nicht deine Selbstzweifel, die anderen Autoren oder deine Charaktere selbst. Keiner wird sich für dich an deinen PC oder an deine Notizen setzen und daraus ein echtes Buch machen. Der Gedanke wäre sicherlich verlockend, aber wenn du keinen Ghostwriter engagierst, stehst du ganz alleine da. Und deine wichtigste Waffe in diesem Kampf bist ebenfalls du selbst! Lerne dir selbst ein Limit zu setzen und es einzuhalten. Wenn ich morgens im Bett liege und mir den Wecker auf fünf Uhr stelle und er klingelt, dann habe ich in diesem Moment die Wahl, schreibe ich oder schlafe ich weiter. Du stehst vielleicht an deinem PC und denkst dir Netflix oder schreiben? Plötzlich ist der Punkt da, an dem deine Selbstdisziplin gefragt ist. Aufstehen oder umdrehen? Serien gucken oder schreiben? Wenn du an diesem kritischen Punkt angekommen bist und nicht von ganz alleine aufstehst, oder Netflix auslässt, sondern überlegst ... ist es leider meist zu spät. Dein Gehirn hat den belohnenden Impuls schon gesehen, der einfachere Weg, um an Glücksgefühle zu gelangen, und dein Gehirn will schnell glücklich sein. Du wirst, selbst wenn du dich dann aufraffst, dauernd an das Bessere denken. Wie kriege ich mich also dazu, dass Selbstdisziplin einfacher wird? Dass der Impuls, es nicht zu tun, kleiner wird? In dem du ganz am Anfang einen unglaublich harten Kampf hast. Du darfst nicht ein einziges Mal abweichen, von deiner Routine, sonst funktioniert sie nicht mehr, wenn du einmal liegen bleibst, ist es, am nächsten Tag noch einfacher liegen zu bleiben. Erst wenn du dich selbst zu einem gewissen Punkt überwunden hast, wird es einfacher werden. Aber nur du kannst dich zu diesem Punkt zwingen, mit deiner eigenen Willenskraft. Da helfen dir keine Blogbeiträge und keine Ratgeber. Am Ende hängt es an dir.


Aber eins möchte ich dir noch mit auf den Weg geben. Geben deine Charaktere auf, wenn es schwer wird? Drehen sie einfach um und bleiben im Bett liegen, wenn die Schlacht unüberwindbar scheint? Nein? Warum tust du es dann?

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