Funkenschlag Leseprobe

1. Kapitel

***

DIE STUFEN DER Treppe gaben unter ihrem Gewicht nach, knarrten so leise, dass der Soldat im Flur unter ihr es nicht bemerkte. Das Prasseln der Flammen wurde mit jeder Sekunde, die sie im Schatten verharrte, lauter. 
Der Mann drehte sich um, blickte ein letztes Mal in Richtung der Treppe. Elara dämpfte ihre hektischen Atemzüge mit einer Hand. Würde ihr Versteck sie lange genug verbergen? Seine Schritte hallten im Flur wider, dann knirschte der Schotter im Innenhof unter seinen Stiefeln.
Mit Schwung stieß Elara sich von der Wand ab. Hitze schlug ihr, zusammen mit dichtem schwarzem Rauch, auf den letzten Stufen der Treppe entgegen. Die Feuchtigkeit in den Balken des alten Hauses ließ immer wieder ein lautstarkes Knacken ertönen. 
Das feuchte Tuch über Elaras Mund wurde mit jeder Sekunde in der Nähe der Feuersbrunst trockener, darunter hatte sich bereits Asche festgesetzt, bei jedem Atemzug kratzte es in ihrer Kehle. Sie musste sich beeilen, wenn sie hier lebend herauskommen wollte.
Elara konnte den Kampf im Innenhof hören. Die Schüsse wurden immer schneller abgefeuert, übertönten die Schreie der Verwundeten. Es waren ihre Freunde, die dort starben, damit Elara wenige Sekunden mehr an Zeit gewann. Zeit, die zwischen Leben und Tod entschied. Der Schmerz ballte sich in ihrer Brust zusammen, ein Klumpen, der sie am Atmen hinderte. Die Angst war wie Eis in ihren Adern gefroren und machte jeden Schritt noch schwerer. Gegen die Hitze des Feuers, war die Kälte in ihrem Körper ein Kontrast, der ihr das Schlucken erschwerte und ein Zittern durch ihre Finger jagte, die sie blind vor sich ausgestreckt hatte, aus Angst im Rauch gegen etwas zu stoßen.
Die Tür zum Arbeitszimmer ihres Vaters war von den Flammen bereits umhüllt, die langsam am Türrahmen in die Höhe züngelten.
Unter ihren Fingern war die Klinke so heiß, dass Elara sich einen erstickten Aufschrei nicht verkneifen konnte. Sie ließ erst los, als die Tür aufging und ignorierte den Schmerz auf ihrer Handfläche. Durch den Schwung brach die Tür aus den Angeln und Elara stürzte zu Boden. Mehr Rauch schlug ihr entgegen, nahm ihr jegliche Sicht.
Tränen rannen Elara die Wangen hinab und sie rieb ihre vom Rauch gereizten Augen, wodurch sich ein grauer Schleier über ihr Sichtfeld legte.
Kriechend ging es für Elara vorwärts, der Rauch wallte bereits von der Zimmerdecke nach unten und raubte ihr die Atemluft. Ein Balken knackte über ihrem Kopf und Elara hob mit einem leisen Aufschrei die Hände über den Kopf, als Funken auf sie hinabfielen. Sie zitterte am ganzen Körper, doch der Balken hielt, das alte Haus hatte seinen Kampf noch nicht aufgegeben.
Die Schublade war nicht abgeschlossen, selbst mit dem Schatz in seinem Inneren, der sich hinter der doppelten Rückwand verbarg. Elaras schweißnasse Finger rutschten mehrmals von der Kerbe ab, bevor sie das Holz zu fassen bekam. 
Ein Kristall kullerte hervor, vom Feuer unberührt. Seine milchige Oberfläche reflektierte ihr von Ruß und Asche verschmiertes Gesicht. Er war trotz des Feuers um sie herum eiskalt.
Sie hatte es geschafft. Wenn ihr Vater sie jetzt nur sehen könnte, er hatte immer alles für den Kristall geopfert und endlich trat Elara in seine Fußstapfen. Fest presste sie den Schatz an sich, der einzige Weg aus dem brennenden Gebäude lag hinter der Treppe, doch sie wusste nicht, ob diese noch vorhanden war. 
Ein Deckenbalken gab ein bedenkliches Geräusch von sich, er würde dem Feuer nicht mehr lange standhalten können. Sie hatte keine andere Wahl, als zu rennen, wenn sie es schaffen wollte. Ihr ganzes Anwesen beugte sich der Gewalt der Flammen. 
»Lass mich das überleben«, flüsterte Elara dem Kristall zu. Ihre Finger kribbelten, so fest hielt sie ihn in ihrer Hand. Sie zitterte, die Angst lag ihr schwer wie Blei auf der Brust und trotzdem fasste sie sich ein Herz. 
Es war an der Zeit.
Elara verließ sich allein auf ihr Gefühl, als sie losrannte. Der Rauch war zu dicht, sie konnte nichts erkennen, das brauchte sie aber auch nicht. Sie war hier groß geworden, hatte ihr ganzes Leben lang die Gänge erkundet und würde den Ausgang auch blind finden.
»Ich habe noch eine!«
Durch den Rauch sah Elara nicht, wo ihr Verfolger war, aber ein Schuss riss direkt neben ihrem Ohr Putz von der Wand. Ein Soldat war die Treppe heraufgekommen und schnitt ihr dadurch den Weg ab. Fluchend preschte Elara in die entgegengesetzte Richtung des Schusses davon.
Wenn sie nicht viel erkennen konnte, dann auch nicht ihr Verfolger. Ein weiterer Schuss ließ sie taumeln, sie rannte weiter den Flur entlang und versuchte Haken zu schlagen, damit der Soldat kein leichtes Ziel fand. Wohin? Wohin konnte sie fliehen? Von hier gab es keine Möglichkeit mehr, nach unten zu gelangen.
Immer wieder krachten Schüsse nur Zentimeter von ihr entfernt in die Wände zu ihren Seiten. Ihr Verfolger musste immer anhalten, um sein Gewehr nachzuladen, den Vorsprung holt er mit seiner Kondition jedoch wieder auf. Umkehren war keine Möglichkeit. Sie musste es schaffen. Wenn ihr die Flucht nicht gelang, dann war das Leben aller, die die Soldaten im Hof aufzuhalten versuchten, umsonst geopfert.
»Stehen bleiben!«
Ein neue Salve Schüsse ertönte, das Glas des Erkerfensters am Ende des Flures zersplitterte. Wind peitschte sofort in die flammende Hitze und verschaffte Elara einen winzigen Moment Kühlung, als sie über die Scherben hastete. 
Der Soldat schrie, aber sie hatte das Fensterloch bereits erreicht. Mit Schwung drückte sie sich vom Holz des Fensterrahmens ab und sprang über die Scherben hinweg.
Sie spürte, wie sich die Glasscherben in ihren Arm bohrten, die ausgestreckte Hand des Soldaten streifte ihr Rückgrat, er versuchte sie zu ergreifen, aber scheiterte. Elara fiel.
Der Aufschlag war so hart, dass sie kurz Sterne sah. Die Hände in der Erde vergraben, versuchte sie zu atmen. Über ihr fluchte der Soldat und schlug mit der flachen Hand gegen den Fensterrahmen.
Das Blumenbeet unter dem Erker war nicht bepflanzt und die lockere Erde hatte ihren Sturz abgefangen. Der Soldat sprang ihr nicht hinterher, er rannte weg vom Fenster.
»Eine Rebellin flieht!«
Seinen Ruf hörte sie selbst bis hierher. Elara konnte nicht verharren, die Schüsse hatten aufgehört und sie gab sich nicht der Illusion hin, dass ihre Freunde gegen die Übermacht an Soldaten gewonnen hatten.
Sie würden ihr folgen, um die letzte Rebellin zu fangen. Der Kristall musste in Sicherheit gebracht werden. Egal, wie hoch der Preis dafür war. Ihre Familie hatte zu viel geopfert, um jetzt alles zu verlieren. Allein das gab Elara die Kraft, die sie benötigte, um weiterzurennen. Auch wenn der scharfe Schmerz an ihrem Knöchel, mit dem sie unglücklich aufgekommen war, ihr Tränen in die Augen trieb.
Wie eine dunkle Masse tat sich der Wald, der an ihren Hof angrenzte, vor ihren Augen auf. Es wäre ihre Rettung, wenn sie es hineinschaffen würde.
Elaras Hoffnung zerbrach, als eine weitere Kugel an ihr vorbeipfiff, nur Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt. 
Sie erlaubte es sich nicht, nach hinten zu blicken, die Schreie und Befehle hallten bis zu ihr. Die ersten Bäume hatte sie bereits erreicht und sich beinahe in deren Schatten versteckt, da ging Elaras Welt in Schmerz unter.
Der Aufprall der Kugel riss sie nach vorne. Sie stolperte, fiel auf die Knie und prallte gegen den rauen Stamm eines Baumes. Ihr Blut verschmutzte die Rinde. Beinahe hätte sie den Kristall fallen gelassen, als der Schmerz ihre ganze Hand in Flammen aufgehen ließ. Ihr Blick verschwamm, sie würde es nicht mehr schaffen, sich in Sicherheit zu bringen.
Elara schrie vor Schmerz, und dennoch zog sie sich am Baumstamm hoch. Sie konnte nicht aufgeben, auch wenn die Rufe der Soldaten sie bereits verspotteten. Sie wussten, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis Elara aufgab.
Sie brauchte ein Versteck, nicht für sich, das war aussichtslos, sondern für den Schatz in ihren Händen, der mit ihrem Blut befleckt war. Die Hoffnung der Rebellion. Der Beweis, den die Soldaten nicht finden durften.
»Fangt die Rebellin lebend!«, ertönte es aus der Ferne.
Ihre Welt bestand nur noch aus Schemen und mit jedem Schritt wurde Elaras Verstand trüber. Sie taumelte voran, zwischen den eng stehenden Bäumen hindurch, bis dichtes Geäst über ihr den Schein des Feuers aufhielt.
Ihr Ziel ragte weit über die anderen Bäume auf. Die Wurzeln so dick, dass Elara springen musste. Die Wunde raubte ihr fast die Kraft und in einem letzten Akt der Verzweiflung warf sie den Kristall nach vorne. Er schlug einmal auf dem Holz der alten Eiche auf, ehe er zwischen zwei Wurzeln in den Farnen verschwand.
Weiter, sie musste weiter, denn wenn sie hierblieb, würde sie den Soldaten den Weg zum Kristall verraten. Mehrmals rutschte sie ab, stolperte, weil sie kaum etwas sehen konnte. Ein erstickter Laut entwich ihr, als sie über eine Wurzel stürzte und hinfiel. Moos presste sich gegen ihre Wange und sie brach zitternd zusammen, als sie sich aufzurichten versuchte. Sie konnte nicht mehr aufstehen.
Elara drehte sich langsam auf den Rücken, ihr Atem so laut, dass er das Einzige war, was sie hörte. Das Tuch, das zuvor ihren Mund geschützt hatte, hing lose um ihren Hals. Elara hatte das Gefühl, der steife Stoff würde sie erwürgen. 
Zwischen den Baumkronen stiegen Flammen in den Himmel, der Wald war vom Schein des Feuers erhellt.
Ein Stiefel schlug neben ihrem Gesicht auf, ließ sie den Blick von ihrem Zuhause abwenden.
»Sie ist es, wie vermutet. Bringt die Rebellenhure zur Kutsche, wir bringen sie in die Hauptstadt.«
Die Soldaten hatten, weshalb sie gekommen waren. Die letzte Rebellin vom Hofe Medow. Aber sie suchten nur nach ihr, dann hatte Elaras Vater recht behalten. Niemand wusste von dem Schatz, den ihre Familie seit Jahren hütete. 
»Beeilt euch, ehe sie verblutet.«
Es waren die letzten Worte, die sie hörte, bevor jemand sie an der verletzten Schulter packte und hochzerrte. Ihr Verstand begrüßte Elara mit Schwärze, als man sie über den Waldboden hinwegschleifte. Fort von der alten Eiche, die jetzt das Familiengeheimnis für sie barg.

 

***

DIE BEWUSSTLOSIGKEIT ERLÖSTE sie nicht lange genug, um den Schmerzen zu entgehen. Elara wollte schreien, sich befreien, aber die Hände, die ihre Schultern umklammerten, ließen sie nicht los. Sie registrierte, dass sie sich noch auf Grund und Boden ihres Anwesens befanden, das Feuer loderte am Rande ihres Blickfeldes.
Einer der Soldaten, die sie hart auf den Boden drückten, schien an seiner Aufgabe zu zweifeln. Die breite Nase war erbleicht und er hatte den Blick von ihr abgewandt. Erst als eiskalter Wind sie frieren ließ, begriff Elara, dass man ihr das Korsett vollständig geöffnet hatte.
Jegliche Wut über die Entblößung blieb ihr vor Schmerz in der Kehle stecken. Der zweite Soldat nahm den Druck von ihrer Schulter, sofort floss Blut aus der Wunde über seine Hände. Er war nicht alt, trotz der ergrauten Haare und den Falten, die sich um seine Augen sammelten. Sein Blick war ernst, mit einer Autorität darin, die sie für einen Moment an ihren Vater erinnerte. Die Blutung hörte nicht auf, der Mann hielt nun eine lange Nadel in der Hand und sie ahnte, was kommen würde.
»Halte sie fest, Dariel, ich brauche Ihre Faust nicht im Gesicht.«
»Ich versuche es, Hauptmann«, antwortete der junge Soldat schwach und hielt den Blick weiterhin abgewandt. Der Hauptmann wartete nicht, bis Elara sich auf den kommenden Schmerz vorbereiten konnte. Die Nadel durchstach ihre Haut und die Heftigkeit, mit der Elara sich auf ihre Unterlippe biss, ließ diese aufplatzen.
Der junge Soldat hatte Schwierigkeiten, sie festzuhalten. Die Steinmauer in ihrem Rücken schmerzte, doch der ältere Soldat ließ sich nicht beirren in seiner Arbeit. Elara spürte die Hitze des Feuers in der Nähe auf ihrer nackten Haut. Es machte ihre Übelkeit nicht besser, und das unkontrollierte Zittern ließ ihre Glieder schmerzen.
Elara erbrach sich, ein Großteil davon landete auf den glatt polierten Stiefeln des Hauptmanns. Der zweite Soldat ließ nicht zu, dass sie sich bedeckte und die Scham brannte schlimmer als ihre Wunde. Gedemütigt, erniedrigt und von der Verwundung geschwächt, war Elaras Kampfgeist erloschen. Jeder Würgereflex ließ Elara vor Schmerzen weinen und sie erntete einen letzten, schmerzhaften Ruck an der Wunde, als der Hauptmann die Fäden abschnitt und sich erhob.
»Bringt Sie nach vorne zu den Wägen«, herrschte er wütend den jungen Soldaten an. Seine Stiefel versuchte er mithilfe des Gebüschs, das ihr Anwesen umgab, zu säubern.
Sie erwartete, erneut hochgerissen zu werden, gedemütigt durch ihre Nacktheit. Der junge Soldat bedeute ihr aufzustehen, da blickte der Hauptmann zu ihnen zurück.
»Zieh Ihr ewas über, Dariel! Sie ist bis zu Ihrer Verurteilung immer noch eine Lady des Hauses Medow.« 
Für einen Moment verharrte der Soldat, dann reichte er ihr das Korsett und zog den verletzten Arm durch einen der Träger, bevor er sich abwandte. 
Elara presste das offene Korsett an sich und schaffte es nur langsam, sich aufzurichten.
»Beeil dich.«
Der Griff um ihren Oberarm wurde fester, als er Elara vor das fast niedergebrannte Haupthaus führte. Sie nutzte den Moment, um zu den Flammen zu blicken. Der Rauch brannte in ihren Augen, noch immer war ihre Sicht verschwommen.
Schatten knieten vor dem Herrenhaus, aufgereiht in einer halbherzigen Formation. Elara erkannte die müden Gesichter, hatte sie jahrelang gesehen. Es waren ihre Angestellten, und wenn ihr Vater auf Reisen war, ihre Ersatzfamilie. Für die Soldaten waren sie nur Rebellen.
Die Hoffnung war aus den Augen ihrer zusammengewürfelten Familie verschwunden, sie konnte ihnen nicht sagen, dass nicht alles verloren war. Sie mussten glauben, dass mit Elaras Gefangennahme auch der Kristall verloren war.
Elara sank auf die Knie, eine letzte Ehrerbietung für diese Menschen. Auf Rebellion gab es nur die Todesstrafe für Bürger und die Soldaten waren niemals gnädig.
»Ihr seid des Hochverrates am König schuldig.«
Keiner verneinte es, Elara blickte in stolze Gesichter. Menschen, die ihre Freunde waren, so viel mehr als nur Diener ihres Vaters.
»Es tut mir leid«, schrie Elara über das Tosen des Feuers und den Lärm der brechenden Balken hinweg. Ihre zitternden Finger schafften es kaum, das Korsett an ihren Körper zu pressen. »Ich werde euch nie vergessen!«
Ihre letzten Worte gingen in den Tränen unter, die ihren Augenwinkeln entflohen. Das Schluchzen so rau vom Rauch, dass es unmenschlich klang. Elara schloss die Augen, sie konnte es nicht mit ansehen.
»Schaut ihnen in die Augen, wenn sie für euch sterben«, sagte der Hauptmann ernst, dann hob er die Hand.
»Feuer!«
Ihr Schrei hallte an der kaum noch vorhandenen Fassade ihres Hauses empor und ließ Elara Blut schmecken. Ihr Klagelaut mischte sich mit den Schreien der Sterbenden. Ein grausiges Duett, das vom berstenden Holz in den Flammen begleitet wurde.
»Was hast du erwartet, Rebellin?«
Diese Worte waren eine aufrichtige Frage, die ihr Blut zum Kochen brachte. Der junge Soldat hatte sich bei seinen Worten Elara zugewandt. Wie konnte er den Tod so vieler Menschen einfach ignorieren?
»Nichts von grausamen Soldaten wie euch«, warf sie zurück, als sie sich aus dem Staub erheben wollte. Laut genug, dass ein anderer Soldat es ebenfalls hörte. Der Schlag seiner Rückhand traf Elara nicht unerwartet und doch konnte sie nicht verhindern, dass sie nach hinten fiel. Ihre Schulter quittierte das mit einer weiteren Salve Schmerz, doch dieser war nichts im Vergleich zur Trauer in ihrem Herzen. 
»Erbärmlich.«
Das traf sie hart. Nun, wo ihre Welt zum Einsturz gebracht worden war, was hatte sie da noch? Ihre Reise endete in den Fängen des Feindes. 
Wie auch immer ihre Rebellion aufgeflogen war, sie konnte nur hoffen, dass ihr Vater den Funken weitertragen würde und den Kristall beschützte. Er war zu schlau, um den Soldaten in die Hände zu fallen, und kannte Elara gut genug, um zu wissen, wo sie den Schatz versteckt hatte.
»Ruhe jetzt, Karlson«, fuhr der Hauptmann dazwischen und schubste den zweiten Soldaten fort von Elaras kauernder Gestalt. »Bring sie in die Kutsche, Dariel.«
Elara versuchte halbherzig, Dariel daran zu hindern. Doch die Schwere in ihren Gliedern machte es unmöglich, sich aus dem Griff zu befreien. 
Es war vorbei. Die Kutschentür schlug hinter ihr zu und Elara lehnte sich an das raue Holz.
Bei jedem Stein, den die Räder überquerten, krümmte sie sich zusammen. Es war der Anfang von dem, was kommen würde, und Elara presste ihre Wangen an das vergitterte Fenster.
Sie erreichten die Straße, die fort von ihrer Heimat führte, direkt ins Herz des Königreiches, zum Palast der verlorenen Seelen. Die Flammen hatten sich hoch in den Himmel erhoben und ermöglichten ihr, noch von der Straße aus das Haus im Blick zu behalten.
Die Kutsche neigte sich zur Seite, als sie um eine Kurve fuhren, und nur Sekunden bevor das alte Anwesen für immer aus ihrem Blickfeld verschwunden war, brach es endgültig zusammen.
Die alten Dachbalken hatten aufgegeben, begruben die Leichen unter ihren Trümmern. Wenigstens das war ihnen vergönnt – ein Grab. 
Funken stoben in den Nachthimmel, folgten dem harschen Wind, wehten fort von all der Trauer und dem Schmerz. Elara schloss die Augen, beugte sich vor, presste das Gesicht in die Kutschbank vor sich und schrie, bis ihre Kehle keinen Laut mehr von sich gab. Es war vorbei. Sie hatten verloren und Elara war allein mit ihrer Trauer.